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Home > Kultur > Vintschger Museum > Karrner und Schwabenkinder
Trotz ausgeklügelter Systeme der Bodennutzung (auch durch künstliche Bewässerung) reichten die Resourcen nicht aus, die Bevölkerung zu ernähren. Die Folge davon waren "Armutswanderungen" der Karrner und Schwabenkinder. Möglicherweise hat auch die Erbpraxis der Realteilung (Aufteilung der Erbschaft unter der Anzahl der Kinder) zum Entstehen des Karrnerwesens beigetragen: Irgendwann "langte" das bisschen Geerbte nicht mehr zum Überleben. Die Menschen machten aus der Not eine Tugend und schlugen sich als kleine Wanderhändler durch, handelten mit Früchten ("Limoni und Pomeranzen" vom Gardasee), und kamen damit bis Wien und Prag. Auch lebten sie vom "Werg-Führen" (Hanf- und Leinfasern, aus denen sie "rupfene" Socken und Hosen herstellten), schlugen sich durch mit Gelegenheitsarbeiten wie Kesselflicken, Besenbinden u.a.Das armutsbedingte Heiratsverbot umgingen sie durch Trauungen in Rom. Kurze Zeit im Jahr verbrachten sie daheim, wo sie nicht selten mit anderen Familien Stube und Küche teilen mussten.Die Ursprünge der Schwabengängerei liegen im Dunkeln, erste Hinweise gibt es gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Jährlich sammelten sich Ende März / Anfang April in den Dörfern von Latsch aufwärts Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren und wanderten zu Fuß los zum Reschenpass. Von dort ging es weiter über Landeck und den Arlbergpass nach Bregenz. Bis zum Bau der Eisenbahn durch den Arlberg übernachteten sie in Scheunen und bettelten sich durch. Der jährliche "Kindermarkt" fand in Ravensburg statt. Erfahrene Kinder warnten die Jüngeren, indem sie einen bösen Bauern ein Kreidekreuz auf den Rücken malten. Der 1891 gegründete "Verein zum Wohle der Schwabenkinder" kümmerte sich um Dienstverträge und um korrekte Behandlung. Heimkehr war Martini (11.11). Lohn war ein wenig Geld und ein "doppeltes Häs", eine Werkstags- und eine Feiertagskleidung, zu der Stiefelchen gehörten. Diese "Stiefelen" wurden zum Statussymbol der Schwabenkinder. Für den Vinschgau endete die Schwabengängerei mit dem ersten Weltkrieg 1914.
Text: Sebastian Marseiler
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